Bericht aus dem Trierischen Volksfreund vom 19. Dezember
2011
Autorin: Sarah-Lena Gombert
Leere Klassenzimmer warten auf
neues Leben
Die Zukunft der Niederstadtfelder Schule ist ungewiss.
Ein Gutachten, dessen Ergebnisse der Verbandsgemeindeverwaltung Daun vorliegen,
soll Investoren anlocken. Bis die anbeißen, sollen einzelne Räume in dem Gebäude
zu günstigen Konditionen zwischenvermietet werden.
Niederstadtfeld. Sie ist einfach stehengeblieben. Die Uhr im Foyer der
alten Schule in Niederstadtfeld läuft nicht mehr. Und der Mann, der früher dafür
zuständig war, sie aufzuziehen, hat heute andere Aufgaben.
Werner Giebels ist
Hausmeister und lebt seit 18 Jahren gleich neben dem Schulgebäude. Seit dem
Sommer findet hier, am Rand des Dorfs in der Verbandsgemeinde Daun, kein
Unterricht mehr statt. Die Klassenzimmer sind ausgeräumt, Lernmaterial und Möbel
an umliegende Schulen verteilt worden. Giebels, der heute in der
Niederstadtfelder Schule nur noch nach dem Rechten sieht, unterstützt seine
Kollegen an den umliegenden Schulen als Hausmeister. Vom Läuten der Schulglocke
hört Giebels zu Hause nichts mehr. Auch Kinderlachen und Pausengeschrei hört er
nicht mehr. "Das ist schon eine Umstellung", sagt Giebels und lacht. "Früher bin
ich aus dem Bett gefallen und war bei der Arbeit. Jetzt muss ich Autofahren."
Klebstoffreste am Fenster
Nur noch wenig deutet auf den eigentlichen Zweck des
großen, grauen Baus hin. Kaum erkennbare Klebstoffreste in Form eines Sterns auf
der Fensterscheibe lassen erahnen, dass hier einmal Kinder gelernt, gespielt und
gebastelt haben. In der Leseecke liegen zwar noch ein paar bunte Kissen. Doch
die Bücher, die bis zu den Sommerferien hier gestanden haben, haben nun einen
neuen Platz gefunden.
Stattdessen versucht die zuständige Verbandsgemeinde
Daun zurzeit, die 14 Klassenräume so wie die übrigen Zimmer befristet zu
vermieten. Manfred Hein von der Verbandsgemeinde ist zuständig für die
Vermietung der alten Schule. "Man könnte die Räume im Verwaltungstrakt zum
Beispiel an Leute vermieten, die ein Büro suchen", sagt er, "ein bisschen Farbe,
und dann geht das schon."
Die Möbel im alten Rektorzimmer im ersten Stock
stehen noch. Ein paar Zimmer weiter hat jemand einen Globus stehen lassen. Alles
ist in einem guten Zustand. Wer seinen Computer mitbringt, kann sofort mit der
Arbeit loslegen. Weil es so still ist, kommt man sich trotzdem wie in einer
Geisterschule vor.
Die Schulküche, in der Hauswirtschaftsunterricht erteilt
wurde, wartet darauf, dass hier einmal wieder gekocht oder gebacken wird. Ein
Rezept aus dem Unterricht steht noch in weißer Kreide an die Tafel geschrieben.
Die Topflappen hängen in greifbarer Nähe.
Zwei Investoren haben Interesse
Egal, wer als Zwischenmieter in die Schule kommt:
Besonders lange wird er nicht bleiben können, wenn es nach der Verbandsgemeinde
geht. Das mehr als 100 Seiten umfassende Gutachten, das eine Hamburger Firma im
Auftrag der Verwaltung ausarbeiten sollte, ist fertig. Rund 40 000 Euro hat die
VG dafür bezahlt, 18 500 davon hat die EU übernommen. Darin geht es um die
Zukunft des Schulgebäudes. Lohnt es sich, hier ein Jugendhotel zu eröffnen, wie
es sich der Niederstadtfelder Ortsbürgermeister wünscht? Oder gibt es Investoren
für ein anderes Projekt?
Die Hamburger Firma Georg Consulting geht jedenfalls
davon aus, dass sich beispielsweise mit einem Jugendhotel jährlich 800 000 Euro
Umsatz erwirtschaften ließen.
"Was schließlich passiert, ist eine politische
Entscheidung", sagt Manfred Hein. Jedenfalls, das hat
Verbandsgemeindebürgermeister Werner Klöckner (CDU) in der jüngsten Sitzung des
Verbandsgemeinderates mitgeteilt, gebe es bereits zwei Interessenten für das
Gebäude.
Der Musikraum ist wie leer gefegt. Im Werkraum baumeln
Verlängerungskabel von der Decke. Die Räume würden sich als Unterschlupf für
Künstler eignen. Oder für Rockbands, die einen Probenraum brauchen. "Hier am
Ortsrand stört man ja auch niemanden", sagt Hein.
Hausmeister Werner Giebels
scheint sich an der Ruhe nicht zu stören. Und ganz leise ist es hier ja nicht
immer, am Rand von Niederstadtfeld: Denn die Turnhalle, die der Schule
angegliedert ist, wird weiterhin von Sportvereinen genutzt (siehe Extra).
Extra
"Wir haben keinen direkten Bedarf an einer Nutzung",
sagt Mike Fleschen von der Niederstadtfelder Jugendgruppe. "Wir haben
2005 ein neues Jugendheim gebaut bekommen, welches für uns mehr als ausreichend
ist." Fleschen hält den Bedarf der Vereine für eher gering, weil sie eigene
Räume haben, wie das Feuerwehrhaus oder das Vereinsheim am Sportplatz. "Ausnahme
bildet hier natürlich die Turnhalle, die von jeher schon stark von den Vereinen
genutzt wird." Diese Einschätzung wird durch das Statement von Norbert Schmitz
bestätigt. Er ist Vorsitzender beim Sportclub Niederstadtfeld. Die Halle
sei praktisch täglich bis 21 Uhr belegt. "Eine Nutzung von weiteren Räumen
seitens des Sportvereins ist vorerst nicht geplant", sagt Schmitz.slg
Extra
In Niederstadtfeld können insgesamt 26 Räume als
Büro- und Lagerräume, als Ateliers, Werkstatt, Seminarraum oder für Schulungen
genutzt werden. Zur Zielgruppe gehören Künstler, Vereine oder sonstige Gruppen.
Die Verbandsgemeindeverwaltung hat die Höhe der Mieten noch nicht festgelegt. Es
geht jedoch vor allem um einen Ausgleich für Heiz- und Nebenkosten. "Denkbar ist
auch, dass gemeinnützigen Organisationen und Vereinen eine kostenfreie Nutzung
zugestanden werden kann", sagt Manfred Hein. Weitere Informationen zur
Vermietung der einzelnen Räume gibt es bei der VG-Verwaltung, Manfred Hein,
Telefon 06592/939203 oder per E-Mail an
manfred.hein@vgv.daun.de slg